Tomatis-Therapie für Kinder

Verstanden werden. Gestärkt werden. Dazugehören.

Manche Kinder sind ständig in Bewegung, andere wirken verträumt und weit weg. Manche lassen sich von jedem Geräusch ablenken, vergessen eine Ansage schon nach wenigen Augenblicken oder brauchen für alltägliche Aufgaben ungewöhnlich viel Kraft. Andere reagieren schnell gereizt, ziehen sich zurück oder verweigern sich.

Was von außen wie Unruhe, Rückzug, Ablenkbarkeit oder Verweigerung aussieht, kann für das Kind zunächst ein Lösungsversuch sein. Entscheidend ist deshalb nicht nur, was ein Kind tut, sondern auch, warum es diese Form der Regulation gerade braucht.

Wenn alles wichtig sein könnte

Fortwährend treffen Geräusche, Stimmen und andere Reize aufeinander. Schon lange bevor ein Kind bewusst seine Aufmerksamkeit steuert, entwickelt sich die Fähigkeit, manches davon in den Vordergrund treten und anderes in den Hintergrund rücken zu lassen.

Diese Entwicklung beginnt bereits vor der Geburt. Im Mutterleib hört das ungeborene Kind die Körpergeräusche der Mutter und immer wieder ihre Stimme. Vor allem Klang, Sprachmelodie und Sprachrhythmus erreichen das Kind und werden ihm vertraut. Hören und erste Erfahrungen mit Sprache beginnen also lange vor dem bewussten Zuhören.

Dennoch kann es manchen Kindern später schwerfallen, ihre Aufmerksamkeit im Hören ausreichend auszurichten. Zu vieles könnte wichtig sein. Die Stimme, der sie gerade zuhören sollen, ein Geräusch im Raum, eine Bewegung neben ihnen, der eigene Gedanke – alles konkurriert um Aufmerksamkeit.

Das kostet Kraft. Und es kann dazu führen, dass Gesprochenes nur teilweise ankommt. Beim Sprechen- und Sprachelernen kommt es darauf an, Sprache immer genauer wahrzunehmen. Denn ein Kind kann sprachliche Feinheiten nur dann nach und nach erfassen, wenn das Gesprochene in seiner Aufmerksamkeit überhaupt genügend Raum bekommt.

Dabei geht es nicht nur darum, was gesagt wird. Nach und nach lernt ein Kind auch wahrzunehmen, wie etwas gesagt wird: Betonung, Sprachmelodie und feine Veränderungen der Stimme helfen ihm, Sprache und sein Gegenüber immer differenzierter zu verstehen.

Fällt es einem Kind schwer, seine Aufmerksamkeit im Hören auszurichten und Gesprochenes zuverlässig aufzunehmen, können Missverständnisse entstehen – und Sprache, Lernen und Kommunikation unnötig viel Kraft kosten.

Was geschieht in der Hörtherapie?

In der Tomatis-Therapie hört das Kind individuell aufbereitete Musik und Klänge über spezielle Kopfhörer. Dabei muss es nichts leisten und auch nicht besonders aufmerksam zuhören. Es kann spielen, malen, basteln oder sich selbstständig mit etwas beschäftigen.

Durch die Veränderungen im Klang wird das Hörsystem immer wieder angeregt, sich auf unterschiedliche akustische Informationen einzustellen. Ziel ist es, die Verarbeitung von Höreindrücken zu differenzieren und die Fähigkeit zu unterstützen, die Aufmerksamkeit im Hören auszurichten.

Hören ist dabei kein isolierter Vorgang. Es steht in enger Verbindung mit Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Regulation. Über das Hören orientieren wir uns auch im Raum. Die Hörtherapie bezieht deshalb diese körperlichen Aspekte des Hörens mit ein. Die Hörtherapie setzt deshalb bei der Wahrnehmung an – nicht beim Verhalten, das ein Kind als Lösungsversuch entwickelt hat.

Manchmal braucht Entwicklung vor allem Raum, Zeit und neue Erfahrungen.

Wie eine Therapiephase abläuft

Eine Tomatis-Therapie findet in mehreren intensiven Hörphasen statt. In der Regel hört das Kind über einen Zeitraum von 10 bis 12 Tagen täglich etwa zwei Stunden. Nach einer Pause folgen – je nach individuellem Verlauf – eine oder mehrere weitere Hörphasen. Umfang und Gestaltung werden individuell auf das Kind abgestimmt.

Während der Hörzeit kann das Kind spielen, malen oder basteln und sich mit Dingen beschäftigen, die es gern und zunehmend selbstständig tut. Mir ist wichtig, dass die Hörzeit nicht zu einer weiteren Situation wird, in der ein Kind etwas leisten oder erfüllen muss. Die Umgebung ist vorbereitet, es gibt Raum für unterschiedliche Beschäftigungen, und natürlich ist auch König Rolfi vom Bötzenstein immer wieder mit von der Partie.

Zu einer Therapie mit Kindern gehört für mich auch, dass ein Elternteil eine Hörphase vollständig miterlebt und dafür ein eigenes, individuell abgestimmtes Hörprogramm erhält. So kann der Elternteil selbst erfahren, wie die Hörtherapie zugleich entlastend und anregend wirken kann, und das Kind während seines eigenen Prozesses aus dieser Erfahrung heraus besser begleiten.

Gespräche über Beobachtungen, Veränderungen und Fragen im Familienalltag begleiten die Therapie.

Noch ein Hinweis zur Aufnahme von Kindern

Für die Begleitung von Kindern stehen mir nur wenige Therapieplätze zur Verfügung. Ob eine Tomatis-Therapie in meiner Praxis für Ihr Kind passend ist, klären wir deshalb vorab persönlich.