Die Tomatis-Hörtherapie

Dr. Alfred Tomatis

Für mich als Tomatis-Therapeutin und Musikerin gehören die Entwicklung des Elektronischen Ohres und der leidenschaftliche Forscherdrang von Dr. Alfred Tomatis zu seinen beeindruckendsten Leistungen. Dahinter stand sein unbedingtes Interesse, menschliche Entwicklung in ihrer ganzen Vielfältigkeit zu erkennen, zu würdigen und zu fördern.

Hören und Horchen

Alfred Tomatis beschäftigte sich intensiv mit der Frage, was beim Hören eigentlich geschieht. Denn Schall aufzunehmen ist das eine. Aus der Vielzahl akustischer Informationen etwas herauszuhören, die Aufmerksamkeit darauf zu richten und dem Gehörten Bedeutung zu geben, ist etwas anderes.

Tomatis unterschied deshalb zwischen Hören und Horchen. Mit Horchen bezeichnete er die Fähigkeit, sich dem Gehörten aktiv zuzuwenden. Diese Fähigkeit betrifft weit mehr als das Ohr allein: Sie steht in Verbindung mit Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Stimme, Sprache und körperlicher Regulation.

Die Audio-Vokale Schleife

Eine wichtige Grundlage seiner Forschung war die Audio-Vokale Schleife – vereinfacht gesagt: So wie ein Mensch hört, so spricht er auch.

Wenn wir sprechen oder singen, hören wir gleichzeitig unsere eigene Stimme. Was wir hören, beeinflusst wiederum unmittelbar die Art, wie wir unsere Stimme einsetzen. Hören und Stimme stehen damit in einem fortwährenden Wechselspiel.

Für mich als Musikerin ist dieser Zusammenhang besonders faszinierend. Denn auch beim Musizieren lassen sich Hören, körperliche Reaktion und Klangerzeugung kaum voneinander trennen.

Das Elektronische Ohr

Aus seinen Forschungen entwickelte Tomatis das „Elektronische Ohr“. Für uns im digitalen Zeitalter wirkt das ursprüngliche Gerät beinahe wie ein archaischer Equalizer. Seine Grundidee ist jedoch bis heute die Basis der Tomatis-Hörtherapie.

Musik und Klänge werden auf besondere Weise aufbereitet und über spezielle Kopfhörer gehört. Dadurch entstehen wechselnde akustische Reize, die die Hörverarbeitung stimulieren und neue Erfahrungen des Hörens und Wahrnehmens anregen können.

Dabei wird nicht das Ohr „repariert“. Eine Hörminderung des Ohres kann durch die Tomatis-Therapie nicht rückgängig gemacht werden. Der Ansatzpunkt liegt vielmehr darin, wie akustische Informationen aufgenommen und weiterverarbeitet werden.

Ich behandle die Menschen nicht, ich wecke sie auf.

Dr. Alfred Tomatis

Hörtherapie nach Tomatis heute und in der Hörakademie Freiburg

Das Elektronische Ohr ist ein wichtiges Werkzeug der Tomatis-Hörtherapie. Aber das Gerät allein macht noch keine Therapie.

Entscheidend ist für mich, wie ein Mensch auf die Hörstimulation reagiert. In täglichen kurzen Gesprächen gehen wir gemeinsam der Frage nach, was sich beim Hören, im Erleben und vielleicht schon im Alltag verändert. Was sich dabei zeigt, ist für mich eine wichtige Grundlage für die weitere individuelle Gestaltung des Hörprogramms.

Dazu braucht es für mich einen Rahmen, in dem ein Mensch zur Ruhe kommen, sich sicher fühlen und sich auf neue Erfahrungen einlassen kann. Unvoreingenommenes Zuhören, Resonanzfähigkeit, Achtung und Respekt gegenüber seiner Wahrnehmung, seiner Geschichte und seinen Lebensumständen gehören deshalb ebenso zu meiner Arbeit wie die hörtherapeutische Technik.

So ist die Tomatis-Hörtherapie für mich kein rein technisches Hörtraining. Sie ist ein individueller Prozess, in dem sich über das Hören neue Möglichkeiten des Wahrnehmens und Erlebens entwickeln können.

Die Technik hat sich weiterentwickelt

Die ursprüngliche Technik von Alfred Tomatis ist inzwischen viele Jahrzehnte alt. Als Musikerin war mir wichtig, die Möglichkeiten der Digitalisierung auch für die Tomatis-Therapie zu nutzen – insbesondere für eine präzisere Filterung und wesentlich individuellere Einstellungsmöglichkeiten.

Deshalb habe ich mich über viele Jahre mit der technischen Weiterentwicklung der Tomatis-Therapie beschäftigt. 2012 war ich an der Gründung der UG app-support beteiligt. Gemeinsam mit anderen Tomatis-Therapeuten entwickelten wir mit dem app-ear eine digitale Weiterentwicklung des Elektronischen Ohres.

Unabhängig von der verwendeten Technik ist für mich auch die Qualität des Klangmaterials von großer Bedeutung. Ich verwende hochwertige Aufnahmen, die auch meinen musikalischen Ansprüchen an Klang und Interpretation entsprechen.

Die technischen Möglichkeiten des app-ear geben mir heute den Spielraum, Hörprogramme sehr differenziert und individuell auf meine Klienten abzustimmen.

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