Hyperakusis & Hörsturz

Wenn Hören zur Belastung wird.

Ein Hörsturz kann eine tiefgreifende Veränderung bedeuten und nach sich ziehen, dass vertraute Geräusche plötzlich unangenehm oder sogar unerträglich laut werden. Nach einem Hörsturz kann das Zuhören schneller ermüden, Ohrgeräusche oder andere veränderte Hörempfindungen können hinzukommen.

Ein Hörsturz kann auch die Sicherheit im eigenen Hören erschüttern. Viele Betroffene erzählen mir, dass sie beginnen, ihr Gehör sehr genau zu beobachten: Ist es hier schon zu laut? Wird mir das zu viel? Könnte mein Ohr dadurch erneut Schaden nehmen? Aufmerksamkeit und Sorge richten sich zunehmend auf das Hören – und Geräusche können immer stärker mit Anspannung und Unsicherheit verbunden werden.

Zur Ruhe kommen. Den eigenen Sinnen vertrauen. Sich wieder öffnen.

Nicht jede Hyperakusis entsteht jedoch nach einem Hörsturz. Manche Menschen reagieren schon seit langer Zeit besonders empfindlich auf laute oder störende Geräusche und erleben eine laute Umgebung schnell als anstrengend oder überfordernd.

Hören wieder mit mehr Offenheit begegnen

Mich interessiert deshalb nicht nur, welche Geräusche als zu laut erlebt werden, sondern wie ein Mensch sein Hören erlebt und wie gut es ihm gelingt, mit unterschiedlichen Höreindrücken umzugehen. Das Tomatis-Hörprofil dient mir dabei als Ausgangspunkt, um gemeinsam zu schauen, wo Veränderung und Entlastung möglich werden können.

Im Mittelpunkt steht nicht, empfindliches Hören „abzutrainieren“. Es geht darum, dem Hörsystem neue Erfahrungen von Regulation zu ermöglichen – und damit wieder mehr Sicherheit im eigenen Hören zu entwickeln.

Viele Klientinnen und Klienten berichten im Verlauf der Therapie, dass sie mit Lautstärke wieder besser umgehen, Unwichtiges leichter ausblenden und ihre Aufmerksamkeit wieder gezielter auf das richten können, was sie hören möchten. Manche erleben auch wieder mehr Lust auf Begegnung und Kontakt und können besser wahrnehmen, wann sie eine Pause brauchen.

Regulationsfähigkeit bedeutet dabei nicht, keine Grenzen mehr zu haben, sondern die eigenen Möglichkeiten und Grenzen besser wahrnehmen und mit ihnen umgehen zu können.

Dabei verbinde ich die Tomatis-Therapie mit systemischen und lösungsorientierten Gesprächen und, wenn es sinnvoll ist, mit traumatherapeutischen Ansätzen.

Hören kann wieder zur Ressource werden, wenn es nicht mehr ständig mit Aufmerksamkeit, Kontrolle und Sorge verbunden ist.