Wenn zu vieles gleichzeitig wichtig erscheint.
ADHS bei Erwachsenen
Manche Erwachsene leben schon seit ihrer Kindheit mit der Diagnose ADHS, andere erhalten sie erst später im Leben. Eine spätere Diagnose kann sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen – und manchmal auch Erleichterung: Erfahrungen, die schon lange zum eigenen Leben gehören, lassen sich plötzlich anders einordnen.
Unabhängig davon, wie lange die Diagnose schon bekannt ist: Manche Alltagssituationen bleiben anstrengend. Gerade in unruhiger Umgebung kann es schwer sein, die Aufmerksamkeit bei dem zu halten, was gerade wichtig ist. Jeder neue akustische Reiz könnte von Bedeutung sein: ein Gespräch, eine Stimme im Hintergrund, ein Geräusch im Raum. Auch beim Zuhören kann der Faden verloren gehen oder die Aufmerksamkeit von einem Gedanken zum nächsten springen.
Den Fokus finden. Bei sich bleiben. Entspannter dabei sein.
Das kostet Kraft. Viele Menschen haben über Jahre Strategien entwickelt, mit denen sie ihren Alltag gut bewältigen und ihre Lebendigkeit, Kreativität und Energie sinnvoll einsetzen können. Gleichzeitig berichten mir Erwachsene mit ADHS von Erschöpfung, schnellem innerem Stress und dem Gefühl, trotz aller Anstrengung immer wieder nicht richtig dazuzugehören.
Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit?
Unsere Ohren sind ständig auf Empfang. Doch nicht alles, was wir hören, ist im jeweiligen Moment gleich wichtig. Wenn Wahrnehmung differenzierter wird, kann es leichter werden zu unterscheiden, was gerade Aufmerksamkeit braucht – und was nicht.
Genau hier setzt für mich die Tomatis-Hörtherapie an. Sie regt die Differenzierung und Verarbeitung von Höreindrücken an. Dabei geht es nicht darum, weniger wahrzunehmen, sondern akustische Informationen besser zu unterscheiden. So kann es leichter werden, den Fokus beim Hören zu lenken und zu halten.
Klienten berichten mir, dass sie entspannter dabei sein können und in Gesprächen besser mitbekommen, worum es gerade geht. Gleichzeitig nehmen sie früher wahr, wenn ihnen etwas zu viel wird. Es geht also nicht allein um Fokussierung, sondern auch darum, die eigene Wahrnehmung besser kennenzulernen und ihr mehr zu vertrauen.
Die systemische Beratung hilft dabei, diese neuen Erfahrungen in den Alltag zu integrieren. Gemeinsam schauen wir, welche bisherigen Strategien weiterhin hilfreich sind, was inzwischen viel Kraft kostet und was sich verändern darf. Auch langjährige Vorstellungen davon, wie man sein oder funktionieren sollte, können dabei neu betrachtet werden.
Klienten beschreiben hilfreiche Veränderungen beispielsweise so: „Ich kann entspannter dabei sein und merke gleichzeitig schneller, wenn es mir zu viel wird. Ich muss mich weniger verstellen. Ich bekomme besser mit, worum es gerade geht, und kann dann entscheiden, ob es für mich interessant ist.“
Es geht darum, sich selbst besser kennenzulernen, die eigenen Möglichkeiten zu erweitern und mit größerer Selbstverständlichkeit für die eigenen Bedürfnisse einzustehen.
