Kirsten Klopsch
Mit 22 Jahren erlitt ich als junge Musikstudentin einen Hörsturz. Zurück blieb eine leichte Hörminderung, die ich lange weitgehend ignorierte. Erst als bei einem Vorspiel die Beurteilung meines Klangs überhaupt nicht mit meiner eigenen Wahrnehmung übereinstimmte, wurde ich unsicher: Konnte ich meinen eigenen Ohren eigentlich noch trauen?
Meine erste eigene Tomatis-Therapie hat meinen weiteren beruflichen Weg entscheidend geprägt. Ich wurde innerlich ruhiger, konnte meine Aufmerksamkeit anders steuern und nahm meine akustische Umgebung zunehmend differenzierter wahr.
Am eindrücklichsten waren für mich die Veränderungen als Musikerin. Intonation, Atmung und Klang waren plötzlich nicht mehr nur etwas, das ich technisch herstellen musste. Vieles begann sich körperlich unmittelbar zu erschließen.
Diese Erfahrung ließ mich nicht mehr los.
2002 begann ich meine Ausbildung zur Tomatis-Therapeutin, 2004 eröffnete ich die Hörakademie Freiburg. Schon früh wurde mir dabei deutlich, dass eine Methode, die auf Wahrnehmung und Regulation einwirkt, aus meiner Sicht nicht nach einem starren Schema angewendet werden kann.
Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. Jeder Körper, jedes Nervensystem und jedes emotionale System reagiert aus den bisherigen Erfahrungen heraus anders auf die Hörstimulation.
Als Musikerin hatte ich zugleich hohe Ansprüche an Klangqualität und technische Präzision. Deshalb löste ich mich nach einigen Jahren aus dem damaligen Tomatis-Lizenzsystem, um Hörprogramme individueller weiterentwickeln und auf das reagieren zu können, was sich während einer Therapie tatsächlich zeigt.
Die Wahrnehmung des Menschen als Ausgangspunkt
Nach mehr als zwei Jahrzehnten therapeutischer Arbeit interessiert mich eine Diagnose selbstverständlich als wichtige Information. Ein Mensch kann eine Diagnose haben – aber sie definiert nicht, wer er ist.
Denn am Anfang meiner Arbeit steht immer die Frage: Wie nimmt dieser Mensch wahr – und was verändert sich für ihn, wenn sich sein Hören verändert?
Eine Diagnose kann entlasten und vieles verständlicher machen. Sie beschreibt aber niemals den ganzen Menschen – und sie sagt noch nicht, welche Entwicklung für diesen einzelnen Menschen möglich ist.
Deshalb beobachte ich während einer Hörtherapie sehr genau. Manchmal zeigen sich Veränderungen zunächst in kleinen Dingen: Ein Gesicht wirkt gelöster, der Körper richtet sich auf, Antworten kommen spontaner. Jemand wirkt wacher oder fröhlicher oder beginnt wieder mehr Zuversicht zu entwickeln.
Ich beobachte nicht nur, was sich beim Hören verändert. Mich interessiert, was sich dadurch für einen Menschen in seinem Alltag, seinen Beziehungen und seinem Erleben verändert.
Hörtherapie bedeutet für mich vor allem Begleitung
Mit den Jahren wurde mir immer wichtiger, Menschen nicht nur hörtherapeutisch, sondern auch in den damit verbundenen Veränderungsprozessen professionell begleiten zu können. Deshalb ließ ich mich zur Systemischen Beraterin, Familientherapeutin und Supervisorin weiterbilden; später kamen Ausbildungen in Traumaberatung und Traumabearbeitung hinzu.
Diese Kompetenzen stehen für mich nicht als zusätzliche Methoden neben der Tomatis-Therapie. Sie helfen mir, Menschen fachlich verantwortlich zu begleiten – und ebenso zu erkennen, wo die Möglichkeiten der Hörtherapie enden und andere Formen der Unterstützung notwendig werden.
Ich wünsche meinen Klientinnen und Klienten, dass sie ihre Fähigkeiten und ihre Grenzen besser kennenlernen, sich wieder kraftvoller und handlungsfähiger erleben und klarer wahrnehmen können, was sie brauchen und was sie wollen.
Im besten Fall entstehen daraus mehr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, Freude an Eigenverantwortung und die Freiheit, das eigene Leben selbstbestimmter zu gestalten.
Mein beruflicher Weg
seit 1996
Orchestermusikerin, Oboe und Englischhorn · Tätigkeit in verschiedenen deutschen Kulturorchestern, u. a. bei den Bamberger Symphonikern, den Düsseldorfer Symphonikern, dem Sinfonieorchester des Südwestrundfunks Baden-Baden und Freiburg sowie den Essener Philharmonikern. Weiterhin als Kammermusikerin aktiv.
2002
Weiterbildung zur Tomatis-Therapeutin unter der Ausbildungsleitung von Friedrich Huchting
2004
Gründung der Hörakademie Freiburg
ab 2004 / seit 2005
Tomatis-Musikertraining · Weiterentwicklung in Zusammenarbeit mit Prof. Gunhild Ott, Folkwang Hochschule Essen. Seminare zum Musikertraining u. a. an der Folkwang Universität der Künste, der Musikhochschule Lübeck und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt.
Weiterbildungen
Systemische Beraterin (DGSF), Systemische Familientherapeutin und Supervisorin · Ausbildung in Traumaberatung und -bearbeitung
seit 2010
Referentin im gesamten deutschsprachigen Bereich zu den Themen Hören, Wahrnehmung, Kommunikation, systemische Musikpädagogik
seit 2012
Mitgründerin und Geschäftsführerin der gemeinnützigen UG app-support · Entwicklung digitaler Technik und Software für die Tomatis-Therapie sowie internationale Fortbildungen; Geschäftsführung gemeinsam mit Marianne Eichenberger.
Berufsverbände
- Mitglied im Schweizerischen Berufsverband für die Audio-Psycho-Phonologie (APP) nach A. Tomatis
- Zertifiziertes Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Systemische Familientherapie (DGSF)
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